Sachsen-Anhalt macht öffentliche Verwaltungen fit für die IT-Zukunft – Hochschule Harz bildet mit modernen Laboren Spezialisten für E-Government aus

Sachsen-Anhalt setzt Prioritäten bei kommunaler Informations- und Kommunikationstechnik. Diese liegen auf vielen Ebenen und nicht allein beim notwendigen Ausbau der Breitbandnetze. Einheitliche IT-Anwendungen sind Teil des umfassenden Vorhabenkatalogs. Das Bundesland nimmt im deutschlandweiten Vergleich durchaus eine Vorreiterrolle ein, könnte ohne Zweifel als „Hidden Champion“ gelten, schätzt Prof. Dr. André Göbel vom Fachbereich Verwaltungswissenschaften der Hochschule Harz ein. Kooperationen bei IT-Projekten mit anderen Bundesländern gehören zur Normalität, tragen inzwischen erste Früchte.

Ende 2012 beschloss der Landtag zudem die Strategie „Sachsen-Anhalt digital 2020“. Mit dem Innovations- und Investitionsprogramm STARK III wird neben der energetischen Sanierung von Kindertagesstätten und Schulen auch die IT-Ausstattung der Bildungseinrichtungen gefördert. Allein bis 2014 profitieren 107 Häuser davon. Es stehen insgesamt rund 154 Millionen Euro zur Verfügung. Bis 2020 wird STARK III fortgesetzt.

Erste Städte, wie Genthin, Magdeburg und Halle nutzen zudem den Sachsen-Anhalt Melder. Das auch mobil nutzbare Web-Angebot hilft Bürgern, ihre Gemeinde auf Probleme in den Kommunen, wie wilde Müllablagerungen, defekte Straßenlampen, Schlaglöcher oder ausgefallene Verkehrsampeln hinzuweisen.

Das künftige Agieren der öffentlichen Verwaltungen steht besonders im Fokus. Prof. Göbel sieht darin Chancen, auf den Strukturwandel zwischen Altmark und Burgenland reagieren zu können. Schrumpfende Einwohnerzahlen erfordern Konzepte, wie beispielsweise Behördenwege einfacher und effektiver zu gestalten sind. Als Beispiel nennt der Wissenschaftler den Bürger- und Unternehmensservice (BUS), der seine Wurzeln in Sachsen-Anhalt hat.

Im Landesportal sowie auf kommunalen Portalen ermöglicht er online eine schnelle und barrierefreie Information über Leistungen der Verwaltungen, zuständige Behörden sowie den Zugang zu Formularen. Ganz gleich, ob sich jemand auf einer zentralen Webseite umsieht oder direkt auf die Angebote der Stadt Burg, von Hettstedt oder Schönebeck zurückgreift, er findet stets ein einheitliches System vor. Lange Fahrzeiten oder ausgedehnte Wartezeiten haben damit ein Ende. Zahlreiche Verwaltungsangelegenheiten lassen sich heute unkompliziert vom heimischen Computer aus erledigen oder zumindest vorbereiten.

Eine eigene kostenlose App für Smartphones ermöglicht den mobilen Zugriff rund um die Uhr. Auf die Daten von BUS greifen zudem die Mitarbeiter des Behördentelefons 115 in Magdeburg und Halle (Saale) zurück. Um eine kontinuierliche Pflege aller Daten kümmern sich neben der zentralen Redaktion zahlreiche Redakteure in den Kommunen. So wird gesichert, dass regionale Besonderheiten Berücksichtigung finden. An den BUS sind bereits alle Landkreise und kreisfreien Städte sowie mehr als 90 Prozent der Gemeinden angeschlossen.

Von einem gut funktionierenden Zugang zu den Kommunen profitieren nicht zuletzt auch Unternehmen. Eine Verwaltung, die digital erreichbar ist, Informationen und Leistungen auf diese Weise bereitstellt, erweist sich zunehmend als positiver Standortfaktor, sagt Prof. Göbel. Insbesondere die für Sachsen-Anhalt prägenden kleinen und mittelständischen Unternehmen seien verstärkt darauf angewiesen. Wirtschaftsförderung und E-Government sind für ihn untrennbar verknüpft.

An der Hochschule Harz bekommen nicht nur die rund 1.000 Studenten im Fachbereich Verwaltungswissenschaften in einem Teil ihrer Ausbildung das notwendige Wissen vermittelt. IT-Verfahren und –strukturen finden vor allem im seit 2000 existierenden Studiengang E-Government Eingang.

Ein IT-Testlabor, das es sonst in dieser Art in der gesamten Bundesrepublik nicht noch einmal gibt, nahm 2012 seine Arbeit auf. Schwerpunkt ist dort die Wirtschaftsförderung. Technisch unterschiedliche Systeme vom normalen Einzelarbeitsplatz über Cloud-Systeme mit effektiven Thin- und Zero-Clients bis hin zu mobilen Tablets und Smartphones ermöglichen beispielsweise Kommen, sich zu informieren, gemeinsam mit den Fachleuten der Hochschule praxisnahe Lösungen von Problemen zu suchen.

Unternehmer, die mit wenigen Mausklicks auf Details zu Gewerbe- oder Industriegebieten zugreifen können, die so mit wenig Aufwand Daten zur wirtschaftlichen Entwicklung und Situation einzelner Regionen bekommen, wissen den Werte einer solchen Vorbereitung auf Investitionen oder Projekte zu schätzen.

„Wir sehen unser Labor als herausragende Chance, Innovationen zu entwickeln und gleichzeitig unsere Erfahrungen auch außerhalb der Hochschule nutzbar zu machen. Gleichzeitig informieren wir, wie Wirtschaftsförderung in nächster Zukunft funktionieren könnte", versichert Göbel. Dass davon der Mittelstand profitiert, sieht er als einen der wichtigsten Effekte an, sieht die Harzer Bildungseinrichtung quasi in der Rolle eines Dienstleisters. Dass ein zweites modernes Labor zusätzlich der berufsbegleitenden Weiterbildung von Verwaltungsfachleuten dient, mache den Mehrwert des Angebots aus.

Als nicht minder wichtig bezeichnet Prof. Göbel den maßgeblich in Sachsen-Anhalt entwickelten Leistungskatalog (LeiKa). Mit ihm entstehen erstmals in Deutschland ein einheitliches und umfassendes Verzeichnis der Verwaltungsleistungen des Bundes, der Länder und Kommunen. Ziel sei es, eine zentrale Informationsbasis zur Verfügung zu stellen, die von allen Verwaltungsbereichen nutzbar ist. Die so genannten Stammtexte werden in einheitlichen Strukturen sowie mit gemeinsamen Qualitätskriterien bereitgestellt.

Mit der Kommunalen IT-UNION eG (KITU) haben Sachsen-Anhalts Kommunen bereits 2010 eine Genossenschaft gegründet. Von drei ist deren Mitgliederzahl Anfang 2014 auf 30 gestiegen. "Unser Modell ermöglicht den beteiligten Partnern, auf Augenhöhe miteinander umzugehen, sich in puncto IT-Technologie zukunftsfähig aufzustellen", versichert Vorstandsvorsitzender Dr. Michael Wandersleb.

Unter der Ägide der Genossenschaft profitierten alle von einem gemeinsamen Einkaufsportal und fachgerechten Ausschreibungen. Das zahle sich letztlich in klingender Münze aus. Durch größere Mengen könnten bessere Preise auf dem Markt erzielt werden, als bei einem Einkauf von nur wenigen Geräten oder Komponenten. Auch die komplette Betriebsführung für die gesamte Informationstechnologie sei möglich.

Zudem lobt Wandersleb das Zusammengehen mit den kommunalen Spitzenverbänden im Land, die sich in die Meinungsbildung im IT-Bereich besser einbringen können. KITU entwickelt für seine Mitglieder spezielle, maßgeschneiderte Anwendungen beispielsweise zum Personal- und Dokumentenmanagement, zur Verwaltung von Liegenschaften und Gebäuden. Diese Lösungen stehen allen Genossenschaftsmitgliedern zur Verfügung. Sie bestimmen zudem, welche Leistungen und Angebote sie überhaupt in Anspruch nehmen.

(Autor: Klaus-Peter Voigt im Auftrag der IMG Sachsen-Anhalt mbH)

 

Ansprechpartner:

Prof. Dr. André Göbel
Hochschule Harz
FB Verwaltungswissenschaften
Domplatz 16
38820 Halberstadt
Telefon: 03943 659434
E-Mail: agoebel@hs-harz.de
http://wifoe-lab.hs-harz.de

Dr. Michael Wandersleb
Kommunale IT-UNION eG (KITU)
Alter Markt 15
39104 Magdeburg
Telefon: 0391 24464440
E-Mail: wandersleb@kitu-genossenschaft.de
www.kitu-genossenschaft.de

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